1. Grundsätzliches
2. Awareness-Team
3. Redeverhalten
4. Namen und Pronomen
5. Care Arbeit
6.Begriffserläuterungen: FLINTA*, cis, gender, FLINTA*, Cis (hinweis auf zusammenhang mit inter), nicht-binär, BIPOC, Care/Repro-Arbeit, Representative Arbeit, Strukturelle Diskriminierung (Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus, )
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1. Grundsätzliches
Awareness bezieht sich auf Bewusstsein/Achtsamkeit für diskriminierende,
gewaltvolle Verhältnisse und Situationen und soll darauf hinwirken diese zu
minimieren
Ziel ist Verantwortung für sich und andere zu übernehmen
Awareness bedeutet auf einer Veranstaltung konkret vorbeugende Maßnahmenund Angebote zu haben, die von Diskriminierung betroffene Personen in Anspruch nehmen können.
Awareness bedeutet demnach nicht eine wohlfühl-kuschel-Stimmung für alle herzustellen.
Wir verstehen Awareness als Andidiskriminierung und -praxis. Awareness ist eine Aufgabe für ale Teilnerhmer*innen.
Achtet also bitte auf Dinge wie euer Redeverhalten, welchen Aufgaben ihr übernehmt und welche von anderen übernommenwerden (care-Arbeit, repäsentative Aufgaben) und reflektiert dabei eigene Betroffenheiten und Priviligien
2. Awareness-Team
Wir haben ein Awareness Team, das eine anit-Diskrminierungsstruktur ist und die parteiisch ist für Betroffenen von Gewalt und Diskrimierung.
Dieses ist eine Anlaufstelle für Menschen sind die sich Unwohl fühlen, Diskriminierung oder Gewalt erfahren.
Aufgabe des Awareness-Teams ist, aktives Zuhören, Partei für Betroffene ergreifen und versuchen eine Lösung zu finden nach den Wünschen der Betroffenen Person (Betroffenenzentriertheit)
Also:
es passiert nur, das was die betroffene Person möchte (explizit sagen)
→ keine Handlungen ohne Absprache mit der betroffenen Person
Grundsatz – Definitionsmacht liegt bei der betroffenen Person:
es wird nicht in Frage gestellen, dass die Person eine Situtation erlebt hat und ihre Grenze überschritten wurde
Das Awareness-Team wird gut erkennbar sein, endweder durch die Aufschrift „Awareness“ auf der Kleidung.
3. Redeverhalten
#Redeverhalten
Um diversen Positionen, Meinungen und Ideen den entsprechenden Raum zu geben, achtet bitte auf die Häufigkeit und Länge eurer Beiträge. Es wird auch versucht werden, die Redner*innenliste (s.u) nach aufzustellen, die bestimmte strukturelle Ungleichheiten versucht auf zu fangen . Aber es liegt auch in eurer eigenen Verantwortung selbst einzuschätzen, wie viel Raum ihr bereits für eure Anliegen bekommen habt. Es unterstützt die Moderation und den Prozess sehr, wenn alle gemeinsam auf eine gute Balance achten, sich ggf. mal zurücknehmen und so auch anderen Raum zum sprechen lassen.
Auch sind wir uns bewusst und wollen darauf aufmerksam machen, dass dominantes Redeverhalten auf vielen „Privilegien“ beruhen kann, Selbstsicherheit, lange Erfahrung in der Bewegung oder andere Quasie-Privilegien, können ebenfalls zu dominantem Redeverhalten führen. Wir wollen unbedingt vermeiden, dass sich andere Menschen davon abgehalten fühlen, ihre Ansichten zu teilen.
# Redner*innenliste
Redner*innenlisten werden geführt, um gerechte Gesprächsanteile zu erzielen. Zum einen werden sie chronologisch geführt, doch darüber hinaus führen wir doppelt quotierte Listen, um ausgeglichene Redeanteile zwischen Menschen, die eher viel und eher wenig reden, anzusteuern. Damit wollen wir gesellschaftlichen Normen entgegenwirken (durch die z.B. cis-männer klassischerweise einen höheren Redeanteil in Debatten haben als nicht-cis-männliche Menschen).
Deshalb bekommt ihr 2 Meldekarten.
Mit der einen werdet ihr auf die 1. Redner*innenliste für Wenigredner*innen gesetzt und dadurch chronologisch nach allen anderen auf der ersten Redner*innenliste drangenommen.
Die 2. Meldekarte setzt euch auf die 2. Redner*innenliste für Vielredner*innen. Das bedeutet, ihr werdet erst drangenommen, wenn die erste Liste erschöpft ist. Wir bitten euch, selbst zu reflektieren, ob ihr in Kontexten wie diesen Aktionskonferenz eher zu Wenig- oder Vielredner*innen gehört und euch entsprechend selbst einzuteilen.
4. Namen und Pronomen
Es wird die Möglichkeit geben Namenschilder zu schreiben und zu tragen. Zusätzlich kannst du auch deine Pronomen in Klammern dahinter setzen. Das ist hilfreich um Misgendern zu verhindern. (misgendern = eine Person mit dem falschen Pronomen ansprechen). Wenn du das Pronomen einer Person nciht weißt verwende einfach kein Pronomen, sondern den Namen der Person.
Achtung: Pronomen sind Selbstbezeichnungen, sie lassen nicht automatisch auf eine priviligierte oder nichtpriviligierte Position schließen, Pronomen lassen sich nicht durch hör- oder sichtbare Merkmale erschließen, deswegen bitte Rücksicht auf die eigene Wahl nehmen und im Zweifelsfall Menschen einfach ohne Pronomen ansprechen. Auch kann die Präsentation einer person weder alleine, noch unter Berücksichtigung der Pronomen darauf schließen, ob eine Person cis oder trans*, oder eine andere Geschlechtsidentität hat.
Warum wir den Begriff „männlich/weiblich sozialisiert“ als problematisch ansehen:
Die Begriffe „männlich sozialisiert“ / „weiblich sozialisiert“ reproduzieren ein cis-normatives Weltbild, das patriarchal und transfeindlich ist.
Die Ausdrücke „männlich sozialisiert“ oder „weiblich sozialisiert“ werden in vielen Kontexten verwendet, um die (potentielle gewaltvolle) Benennung des Genders einer anderen Person zu umgehen, und trotzdem eine Zuschreibung machen zu können. Tatsächlich haben sie großes transfeindliches Potential, denn wenn einer Person eine bestimmte Sozialisierung unterstellt wird, geht das meistens einher mit der An- oder Aberkennung von Privilegien bzw. Diskriminierungen. Daraus entstehen kann die indirekte Aussage, beispielsweise Transfrauen seinen keine „richtigen“ Frauen, weil Ihnen damit essentielle Sozialisationserfahrungen „fehlen“ würden.
Darüber hinaus sind Sozialisierungen sehr viel diverser und nicht zu vereinfachen auf „männlich“ oder „weiblich“. Diese Vereinfachung basiert oft auf einer weiß/cis-weiblich-dominanten Position, welche die meisten Frauen auf der Weilt nicht teilen. Und auch Sozialisierung umfasst mehr und relevante Aspekte, als das eine binäre Geschlechtereinteilung abbilden könnte.
Sozialisierungen zuzuschreiben kann also sehr gewaltvoll sein. Unser Wunsch wäre es, die individuelle Situation von Menschen stärker zu berücksichtigen und Selbstzuschreibungen stärker in den Fokus zu nehmen.
Warum Begriffe wie „männlich/weiblich gelesen“ problematisch sind:
Mit der Beschreibung einer anderen Person als „männlich gelesen“ oder „weiblich gelesen“ wird zumeist versucht darauf hinzuweisen, dass es der sprechenden Person nur darum gehen würde, wie sie den anderen Menschen lesen würde.
Auch hier geht es jedoch wieder um eine Fremdzugschreibung anhand von zB äußerlichen Merkmalen. Wie Menschen auf dich wirken lässt aber keinerlei Rückschlüsse zu. Auch hierbei wir ein binäres Geschlechtsverständis reproduziert, wer entscheidet was „männlich/weiblich gelesen“ ist und was ist mit Menschen die nicht in diese Normen passen? Auch ist es potentiell sehr verletztend für Trans*menschen gespiegelt zu bekommen, dass sie einer bestimmten Geschlechtsnorm (nicht) entsprechen.
Selbstverständlich kann es für manche Menschen auch eine Selbstbeschreibung sein. Das ist dann aber eine individuelle Entscheidung und immer noch keine Identität aller, die (eben oft unfreiwillig) männlich oder weiblich gelesen werden.
5. Care-Arbeit
Carearbeit oder auch Reproarbeit/Sorgearbeit/etc. meint in der Regel unsichtbare, weniger gewertschätze, explizit nicht repräsentative Arbeit. Damit sind in diesem Kontext meistens (aber nicht ausschließlich) Aufgaben wie Protokoll führen, moderieren von Kleingruppen, etc. gemeint. Also, wie auch im Alltag, die eher nervigen Aufgaben. Wir denken , alle Menschen können selbst einschätzen, weche Aufgaben sie als mühsamer als andere Aufgaben einschätzen. Der Begriff begrenzt keinen klaren Aufgabenbereich und unser Ziel ist es vor allem, Care-Arbeit sichtbarer zu machen und stärker wertzuschätzen. Dennoch: Hier ist unsere Forderung ganz klar, dass Repro-arbeit verstärkt durch cis-Männer, weiße oder anders priviligierte Menschen getragen werden sollte, um von Diskriminierung Betroffnen-Personen die Möglichkeit und Kapazitäten an der inhaltlichen Beteiligung und (repräsentativen Aufgaben) zu ermöglichen.
# CareArbeit, repräsentative Arbeit & Awareness
Als Gegensatz zur Care-Arbeit wird oft der Ausdruck repräsentative Arbeit verwendet, also Aufgaben, bei der sich mensch wahlweise „verwirklichen“ kann, gesehen wird für eine bestimmte Leistung und dafür (soziale) Annerkennung bekommt.
Die Einteilung in Carearbeit und repräsentativer Arbeit ist oft nicht trennscharf und muss auch von den jeweiligen Menschen selbst definiert werden. Wir haben immer wieder festgestellt, dass sich Care-Arbeit und repräsentative Arbeit oft überschneiden, repräsentativ nicht gleich angenehmer, repro arbeit teils auch sehr gewertschätzt wird. Also sollte nicht immer automatisch eine klassische Einteilung der Arbeiten stattfinden, sondern wenn möglich im jeweiligen Prozess auf die Bedürfnisse der Menschen eingegangen werden. Versucht bei anfallender Aufgabenverteilung sensibel die Wünsche anderer zu berücksichtigen (andere ernsthaft nach ihren Wünschen fragen, sie ermutigen, sich selbst zurücknehmen oder auch mal vorzupreschen wenn etwas weniger angenehmes ansteht)
Dabei kann es leider auch zu unemanzipatorischen Situationen und Konflikten kommen, wenn beispielsweise ein cis-Mann für eine Care-Aufgabe plötzlich mehr Annerkennung und Sichtbarkeit bekommt, als das anderen Menschen wiederfahren wäre. Oder wenn immer die gleichen cis-Männer Care-Aufgaben übernehmen und andere sich dem konsequent entziehen. Es kommt auch immer wieder vor, dass vermeintlich repräsentative Aufgaben (z.B. die Präsentation der Ergebnisse einer Kleingruppe) spontan FLINTA*-Menschen „zugeschoben“ wird, weil nach einem Verständnis von Gleichberechtigung diese vermehrt repräsentiert sein sollen. Manchmal kann das gut, manchmal aber auch Zwang sein.
Emanzipation von veralteten Rollenmodellen und sozialen Zwängen wollen wir nicht reproduzieren (also wiederholen). Im Gegenteil, deswegen versucht eure eigenen Privilegien möglichst selbst zu reflektieren und anhand daran euch den Zugang wahlweise zu nehmen oder eben auch aus einer privilegierten Position heraus, ihn anderen zu ermöglichen indem ihr die Aufgabe selbst übernehmt.
6. Begriffserläuterungen:
FLINTA*: Eine Abürzung für Frauen, Lesben, Inter Menschen, Nichtbinäre Menschen, Trans Menschen und Agender Menschen.
Cis (hinweis auf zusammenhang mit inter): Die Vorsilbe ‚cis‘ wird benutzt, um auszudrücken, dass eine Person sich mit dem Geschlecht identifiziert, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurde.
Zu beachten ist, dass manche Menschen intersexuell und gleichzeitig cis sein können. Au diesem Grund können Menschen sich zwar cis-männlich, aber gleichzeitig auch FLI[nter]NTA zuordnen.
Trans: Trans ist ein Überbegriff für transsexuelle, transidente und transgender Menschen und alle Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden. Hinweis zu Verwendung: trans wird ebenso wie cis als Adjektiv verwendet. So kannst du zum Beispiel über eine trans Frau sprechen, gebräuchlich ist auch „Trans-Personen“.
Inter, Intersex, Intergeschlechtlichkeit : Inter Menschen sind Menschen, deren körperliches Geschlecht (beispielsweise die Genitalien oder die Chromosomen) nicht der medizinischen Norm von ‘eindeutig’ männlichen oder weiblichen Körpern zugeordnet werden kann, sondern sich in einem Spektrum dazwischen bewegt.
Nicht-binär: Als nichtbinär oder nonbinary bezeichnen sich Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren, sondern als beides gleichzeitig, zwischen männlich und weiblich oder als weder männlich noch weiblich. Nonbinary ist auch inklusiv für inter Menschen.
BIPOC/PoC (Singular: Person of Color, Plural: People of Color) , BPoC (Black and People of Color) oder BIPoC (Black, Indigenous and People of Color): Ist eine (Selbst-)bezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als → weiß wahrgenommen werden und sich auch selbst nicht so definieren. PoC (Singular: Person of Color, Plural: People of Color) , BPoC (Black and People of Color) oder BIPoC (Black, Indigenous and People of Color). Schwarz und weiß sind dabei politische Begriffe. Es geht nicht um Hautfarben, sondern um die Benennung von → Rassismus und den Machtverhältnissen in einer weiß dominierten Gesellschaft.
Care-Arbeit: Carearbeit oder auch Reproarbeit/Sorgearbeit/etc. meint in der Regel unsichtbare, weniger gewertschätze, explizit nicht repräsentative Arbeit. Care-Arbeit oder Sorgearbeit beschreibt die Tätigkeiten des Sorgens und Sichkümmerns. Darunter fällt „klassischerweise“ Kinderbetreuung oder Altenpflege, aber auch familiäre Unterstützung, häusliche Pflege oder Hilfe unter Freunden. Bislang wurden diese Arbeiten überwiegend von Frauen geleistet, oft als unbezahlte Hausarbeit gesellschaftlich als notwendig und selbstverständlich angesehen.
Care-Arbeit kann aber auch weitaus mehr umfassen, bitte lest dafür auch den Absatz oben zu Care-Arbeit bei Ende Gelände.
Reproduktionsarbeit (Repro-Arbeit): Arbeit, die notwendig ist, damit andere Arbeit erledigt werden kann. So steht der Loharbeit z.B. Hausarbeit als Reproduktionsarbeit entgegen. Im aktivistischen Sinne ist Reproduktionsarbeit z.B. Schreiben des Protokolls, Aufräumen nach einer Veranstaltung etc.. Oft ist diese Arbeit unsichtbar und genießt weniger Anerkennung.
Repräsentative Arbeit: Arbeit die nach Aussehn sichtbar ist, z.B. die eine*r Pressesprecher*in. Reräsentative Aufgabenwerden sind das Wort schon sagt, oft sichtbarer und genießen mehr Wertschätzung. Allerdings ist wie bereits gesagt nicht jede repräsentative Aufgabe gleichermaßen angenehm, deswegen ist auch hier sich nach den Bedürfnissen der jeweiligen Menschen auszurichten. Beispiel: Nicht jeder Rücktrag ins Plenum muss durch eine FLINTA*-Person geschehen, wenn in einer Gruppe nur eine FLINTA* Person ist, sollte sich diese frei in ihrer Entscheidung fühlen, diese Aufgabe zu übernehmen (oder eben auch nicht).
Falls ihr noch weitere Probleme und/oder Lösungsansätze seht, oder
Verständnisfragen habt, teilt uns die gerne mit!